Montag, 15. Februar 2010
The Granny's story.....
lady jack, 18:55h

Die Granny ist alt, sehr alt. Viele Jahre älter als ich und schon viel herumgekommen. Wie alt? Nun, so genau läßt es sich leider nicht mehr feststellen. Allerdings meinte die ursprüngliche Besitzerin in Form meiner Oma, sie hätte die Gitarre wohl mit ca. 13 oder 14 Jahren bekommen. Heißt im Klartext also, die Gitarre ist auf jeden Fall gut 74 Jahre alt. Glücklicherweise legte man damals, obwohl meine Urgroßeltern sicherlich nicht viel Geld übrig hatten, viel Wert auf die Qualität des Instruments, was sich durch eine schöne Klangfarbe auszeichnete. Auch heute noch, trotz vieler Dellen, Schrammen und Widrigkeiten des Lebens fasziniert mich an der Granny immer noch ihr Klang. Etwas eigenwillig, aber auf jeden Fall einzigartig und für die Größe der Gitarre überdies bemerkenswert.
Die Größe ist auch so eine Sache. Die Granny ist wesentlich kleiner (obschon es eine Erwachsenengitarre ist) als heutige Gitarren und liegt somit gut in der Hand. Auch lässt sie sich wunderbar greifen.
Was hat die Gitarre nicht schon alles miterlebt. Diverse BDM-Abende im damaligen Deutschen Reich mitsamt Reichsparteitagen etc. Den Krieg mitsamt allen damit verbundenen und wohl meist sehr unerfreulichen Umständen überlebt, ohne in der schlechten Zeit als Brennholz mißbraucht zu werden, Währungsreform, kalten Krieg etc. usw.
Könnte das Holz Geschichten erzählen - es wäre wohl spannend wie ein Roman oder gar Thriller.
Danach lag sie jahrelang irgendwo herum, vergessen zwischen anderen Sachen, die niemand mehr eigentlich noch brauchte, von denen man sich aber doch nicht trennen konnte. Zum Glück herrschte in unserem Hause dann doch immer schon die Devise: "Ja nix wegschmeißen, wer weiß wann man es mal noch brauchen kann!".
So also grub ich die "Klampfe" mit etwa 14 Jahren wieder aus und versuchte mich als Gitarristin. Nebenbei verpasste ich der doch etwas verkratzten und für mich damals unansehlichen Decke der Gitarre einen neuen Anstrich. Metalstandesgemäß natürlich in Schwarz mit diversen punkigen Einflüssen. Viva la revolución, und sei es nur durch eine Gitarre.
Leider fehlten mir damals die Zeit und vor allem auch der Ehrgeiz meine eigentlich angestrebte Gitarristenkarriere in einer richtig abgefuckten bzw. skandalträchtigen und natürlich enorm erfolgreichen Rockband voranzutreiben. Tja, was soll man machen, vielleicht hätte ich damals nicht soviel die Jungs von Guns N' Roses, Metallica und Co anhimmeln sondern mich statt dessen auf meine eigenen Gitarrenriffs konzentrieren sollen. Ok, Chance vertan - Pech gehabt.
Wieder vergingen also die Jahre bis....ja, bis ich mich irgendwann einmal furchbar alt fühlte und auf den "back to the roots" Trip ging. Verdammt gute Idee übrigens, hätte ich schon viel eher machen sollen.
Tja, und da kam (neben diversen anderen Sachen und auch Gitarren) wieder die Granny ins Spiel. Mittlerweile fehlten, ihr neben einer gerissenen Saite, auch drei Knöpfe an den Wirbeln, so daß das Stimmen nur noch mit Hilfe einer Zange möglich war. Auch der Rest war in einem traurigen Zustand.
Ich beschloß also die Wiederauferstehung der Granny und pilgerte erst einmal in die nächste Stadt zu einem Instrumentenbauer.
Ja, was soll ich sagen.....den traf wohl erstmal fast der Schlag als er "das Ding" sah. Nein, er war ein netter Mensch und wollte mir nicht gleich eine Neue verkaufen. Er hat sich auch nur 3mal am Kopf gekratzt und dabei seine Verzweiflung angesichts der Bitte um Reparatur noch halbwegs geschickt unterdrücken können. Ok, er hält mich wohl heute noch für total bekloppt, aber damit kann ich leben und er vermutlich auch. Mal abgesehen von der Tatsache, daß eigentlich alle richtigen Gitarristen irgendwie bekloppt sind. Yeah, wenn das mal nicht ein guter Anfang ist!
Aber zurück zur Reparatur. Besagter Meister riet mir also dazu, nur die Knöpfe erneuern zu lassen und den Rest selber zu machen, da man ansonsten preislich in astronomische Höhen schnellen würde. Alleine die Erneuerung der drei Knöpfe würde ihn einiges an Zeit kosten, da die Granny als über 70jährige natürlich mit den heutigen Standardmaßen diverser Ersatzteile nicht konform geht und somit Tüfteln in Handarbeit angesagt war. Damit wiederum konnte auch ich leben und so reparierte der Meister die Knöpfe an den Wirbeln, brauchte die Wirbel selber wieder auf Vordermann und verpasste der alten Dame noch neue Saiten. Großes Lob hier, gute Arbeit - auch wenn er selbst bei der Abholung immer noch am Kopfschütteln war.
Zumindest war die Granny jetzt wieder spielfertig, aber das reichte mir nicht. Das gute Stück sollte generalüberholt werden. Dabei habe ich versucht, die einzelnen Schritte so gut es ging festzuhalten. Wie, das folgt in einer Art Fotostory im nächsten Beitrag.
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